Erklärung der Fraktionsgemeinschaft FDP-FL FN-ÖDP zum Thermalbad (TOP wurde am 17.7.2008 abgesetzt)
Die Entwicklung des Projektes Thermalbad Fischbach bereitet uns immer größere Bauchschmerzen, bedingt durch den erzwungenen langen Stillstand des Projektes, aber auch durch einige Ergebnisse des neuen Gutachtens und des heutigen Beschlussantrages.
Gestatten sie mir eine kurze Rückblende. Der Ausgangspunkt war: ein städt. Bad sollte privat betrieben werden, um die Stadtkasse zu entlasten. Das vorhandene Thermalwasser sollte genutzt werden und ein Hotelbau sollte möglich sein zur Absicherung der Wirtschaftlichkeit. Als wichtig galt der Erhalt des Freibades und des Winterweges. Also neues attraktives Bad für Bürger und Gäste. Das vorliegende Gutachten vermittelt allerdings den Eindruck, dass der Anteil für die Häfler Bürger (deutlich) beschnitten werden soll.
Zitat aus dem Gutachten: „Eine identifizierbare Angebotsnische besteht ausschließlich für ein klar positioniertes Premiumressort mit eindeutiger Zielgruppenansprache. Zielgruppe sind Gesundheits-, Wellness- und Fitnessorientierte ab 40 J. möglichst ohne Kinder.! Es wird empfohlen: Fläche für Hotel und Fitness- und Schönheitsbereich erhöhen, für Baden und Sauna reduzieren. Für alle Module sollen Erweiterungsflächen vorgesehen werden, außer für das Freibad. Der Schwerpunkt verschiebt sich also zu noch mehr Gesundheitszentrum und weniger Bad. Die Frage muß erlaubt sein: Entspricht diese Nutzungsverteilung auf dem städt. Grundstück noch der ursprünglichen Intention?
Ein paar Anmerkungen zum umfangreichen Gutachten, welches einige wichtige Hinweise liefert, bes. für den Investor. Dennoch vermissen wir die Quantifizierung von angeführten Risiken, sie werden nur verbal angeführt. Da wäre die erwähnte Angebotsnische. Sie erscheint sehr klein, besteht letztlich nur aus dem 4. Stern, also dem Premiumangebot. Schließlich setzen viele Hotels, Kureinrichtungen und Tourismusgemeinden, wie Überlingen und Meersburg seit Jahren auf den Wellnesstrend, um die Saison zu verlängern, so dass das Gutachten auch von einem stark ausgeprägten, quantitativen Wettbewerb im Einzugsgebiet spricht. Der geforderte hohe Alleinstellungsgrad wird nicht einfach zu erreichen sein, hätte aber direkten Einfluß auf den wirtschaftl. Erfolg. Eine „best case- worst case“ Betrachtung der Besucherzahlen wurde dennoch nicht vorgenommen. Sie werden exakt prognostiziert.Der Ansatz der Wirtschaftlichkeitsberechnung erscheint optimistisch. Dass die Gutachterin die Baukosten mittlerweile ca. 25% höher eingeschätzt ist nachvollziehbar. > allg. Preissteigerung, aber auch Hinweis auf teure Gebäudegründung durch Grundwasser und evtl. Mehrkosten durch wettergeschütztes Parken.Nicht nachvollziehbar ist dagegen, wie fast 10 Mio € Preissteigerung allein durch eine kompaktere Bauweise aufgefangen werden sollen. Bei einem Invest von 49 Mio € sieht die Deckungsbeitrags-Rechnung anders aus. Kapitaldienst und Afa erhöhen sich um ca. 900 T€, d.h. der Deckungsbeitrag II ist im 1.- 3. Jahr negativ und erst ab dem 4. Jahr positiv mit etwa 200 000€ , wenn die Energiekosten nicht weiterhin stark steigen (nicht berücksichtigt im Gutachten).
Die FG nimmt das Gutachten zur Kenntnis. Der unbestimmten, erneuten Fristverlängerung können wir nicht zustimmen. Für das Fischbacher Bad muß endlich eine Entscheidung fallen. Der heutige Beschluss muß ein exaktes Datum für Bauantrag und Finanzierung enthalten. Wir brauchen nun Klarheit, ob das Konzept tragfähig und annehmbar ist oder evtl. doch Alternativen gesucht werden müssen.
Gez. Gaby Lamparsky
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