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Zukunft Markdorf

Jede Planung ist der Versuch, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Sie ist eine Richtschnur für zukünftiges Handeln. Die Bandbreite der möglichen Irrtümer einer Planung lernen wir von Jules Verne: „In 80 Tagen um die Welt“. Heute brauchen wir nicht einmal 80 Stunden. Dagegen: „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“: Wir können heute zwar zum Mond und weiter fliegen, dem Mittelpunkt der Erde sind wir aber nur wenige Kilometer näher gekommen. Und ein drittes Beispiel, diesmal von George Orwell: „1984“. Diesem Szenario nähern wir uns heute immer mehr, nur der Zeithorizont hat sich verschoben.

Gesamtheitliches Stadtentwicklungskonzept

Seit Jahren schiebt die Stadt ein Investitionsvolumen im Saldo von weit über 60 Millionen Euro vor sich her. Dem gegenüber stehen Ende 2019 Rücklagen in Höhe von rund 23 Millionen Euro. Der Haushalt 2020 sieht vor, dass diese Rücklagen in den Jahren 2020/2021 vollständig eingesetzt werden sollen. Danach sollen zur weiteren Finanzierung der Investitionen Kredite aufgenommen werden.

Unklar ist, wie sich die städtischen Finanzen in der Folge entwickeln werden. Der Gesetzgeber hat vorsorglich zwei Dinge eingeführt:

Die Umstellung vom kameralistischen Planungs- und Rechnungssystem auf die sogenannte Doppik, also das in der freien Wirtschaft übliche doppelte Rechnungswesen. Dies führt im Ergebnis zu erhöhter Transparenz.

Die zweite Komponente ist die sogenannte „Generationengerechtigkeit“. Die fordert, dass der gestalterische Spielraum zukünftiger Generationen auf dem gleichen Niveau wie derzeit gehalten werden soll. Im Klartext heißt dies, dass alle Investitionen über einen angepassten Zeitraum abgeschrieben und neu erwirtschaftet werden müssen.

Aus unserer Sicht folgt daraus, dass sich die Stadt auf die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben sowie die unbedingt notwendigen Renovierungsaufgaben beschränken muss. Und selbst hier ist mit Augenmaß zu planen und zu realisieren. Für „Luxus“ oder gar Träume ist auf Jahre hinaus kein Spielraum vorhanden.

Derzeit wird ein Prozess über die Gestaltung der Altstadt neu überdacht. Dieser Prozess hätte bereits vor Jahren geführt werden müssen.

Es stellen sich uns nun einige Fragen: Was passiert eigentlich, wenn die geplante Tiefgarage unter dem Rathausareal sofort gebaut und das Rathaus nur renoviert wird? Was passiert, wenn das Bischofschloss über die nächste Zeit nur erhaltungsbedingt restauriert und betrieben wird? Ist es eine entscheidende Frage, ob wir die staatlichen Fördermittel retten müssen? Und wenn ja: welche Optionen hätten wir?

Alle diese Fragen müssen in den Zusammenhang eines Gesamtkonzepts für die Stadtentwicklung gestellt werden. Was wir damit meinen, zeigt ansatzweise folgendes Schaubild:

Die Stadt ist aufgefordert, ein solches Gesamtkonzept in Auftrag zu geben und im Dialog mit den Bürgern als Grundlage für ihre zukünftigen Projekte heranzuziehen.

  • Integriertes Konzept (Rathaus / Hotel / Historische Gebäude im Einklang…)
  • Kongressstadt Markdorf
  • Markplatz + Stadtpark als Begegnung
  • Zusammenhänge und Synergien nutzen
  • Zentrales Parkkonzept (parken in der Stadtnähe)

Förderung Wirtschaft und Tourismus

  • Gewerbeflächen für kleine Betriebe und Startups
  •  Ausweisen von Gewerbegebieten und Flächen (keine Industrie)
  • Erweiterung, Bündelung und bessere Vernetzung / Plattform für Bertriebe
  • Preisgestaltung Grundstückspreise bei Gewerbegebieten
  • Konzept künftiger Gewerbeansiedlung
  • Senkung Hebesätze (wie Gewerbesteuer, Grundsteuer etc.) – es darf nicht zur Mehrbelastung führen
  • Förderung Tourismus (Tourismus-Verband)
  • Balkon zum Bodensee: Wege ausbauen und Pflegen, Sicht erhalten
  • Ansiedlung von Hotel und gutes Gastro fördern

Demografischer Wandel – Jung & Alt

  • Angebote für Senioren (Ansprechstelle)
  • eBus, Einkaufen, Ärzte-Hotline, Infrastruktur optimieren
  • Zusätzliche Pflegeplätze / Altersgerechtes Wohnen
  • Erweitertes Angebot für Jugendliche
  • Bevölkerung unter 65 stagniert und die über 65 wächst in den nächsten 10 Jahren um 30%
  • Libenau hat schon mehrfach Interesse bekundet
  • Gelände nördlich Spitalstraße gesamtheitlich im Städtekonzept mit berücksichtigen
  • Betreutes Wohnen in Stadtzentrum

Moderne Infrastruktur und Innovation

  • Verkehrskonzept Radwege, Schulwege
  • Sicherer Schulweg
  • Bahnanbindung
  • Autonomer eBus (in Kooperation mit ZF?)
  • Förderung Freiberufler, Dienstleister
  • Verkehr (B33, Schwerverkehr raus aus der Stadt, Umfahrung ist planfestgestellt…)
  • Keine weißen Löcher für die Wirtschaft und Bürger (Internetbandbreite)

Digitalisierung 

  • 5G, Breitbandnetz etc.
  • Akzeptanz/Feedback Gewerbe (wettbewerbsfähig!)
  • Digitalisierung Verwaltung
  • Innovative Dienstleister anwerben und fördern

Förderung Wirtschaft und Tourismus

Unsere Wirtschaft ist Hauptträger unserer Stadteinnahmen. Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass es attraktiv ist, in Markdorf zu investieren. Wir denken hier insbesondere an die Senkung der Hebesätze.

Markdorf bietet sich als Wanderzentrum und Balkon zum Bodensee (Bergsicht!) an. Wanderwege müssen ausgebaut und gepflegt werden.

Wir denken hier neben den Premium-Wegen auch an den Trimmdich-Pfad und den Wanderweg neben der Gehrenbergstraße.

Wegen der Wirksamkeit der immer mehr zunehmenden Solardächer muss der Baumbewuchs in Privatgärten in der Höhe begrenzt werden.

Demografischer Wandel – Jung & Alt

Demografischer Wandel ist einer der Megatrends weltweit. Nach den Prognosen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wird auch in Markdorf der allergrößte Zuwachs bei den „Alten“, über 65-jährigen Mitbürgern erwartet (rund 30 %). An zweiter Stelle stehen unsere Kleinsten im Kindergarten- oder Grundschulalter (rund 4 %). Die Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren wird eher stagnieren. Wir leiten daraus ab, dass die beiden Altersgruppen Senioren und Kinder im Kindergarten-/Grundschulalter die höchste Priorität bei der Planung zukünftiger Projekte einnimmt.

Bei der Seniorenbetreuung denken wir an eine Reorganisation des gesamten Bereichs „Spitalstraße Nord“, siehe folgendes Bild:

Bei den Kindergärten/Grundschulen denken wir daran, dass die gleichen Überlegungen angestellt werden müssen, die zu einer Entscheidung für den Kindergarten Süd geführt haben. Der Ausbau der Jakob-Gretser-Grundschule für geplante 22 Millionen Euro erscheint uns extrem hoch. Es wird kein einziger neuer Schulraum geschaffen. Lediglich ein modernes Didaktik-Konzept soll in einem Aufbau verwirklicht werden.

Wir plädieren dafür, dass am Ort die notwendigen Renovierungen durchgeführt werden. Eine allen modernen Anforderungen genügende neue Infrastruktur muss aus unserer Sicht in der Südstadt geschaffen werden. Kurze Wege für die Kinder aus der Südstadt und Ittendorf, Entlastung Bring- und Holverkehr ins Zentrum, Versorgung der zunehmenden Bürgerschaft im Süden.

Moderne Infrastruktur

Wir denken bei diesem Thema nicht nur an ein neues Verkehrskonzept, welches derzeit im Entstehen ist. Die „Blaue Zone“ wurde schon eingerichtet. Ein Kreisel an der Kreuzung Stadtgraben-Bussenstraße wird ebenfalls in Vorwegnahme gebaut.

Nach wie vor sehen wir das Riesenproblem der ungenügenden Anbindung der Stadt an das Umland und den Fernverkehr. Es wurde versäumt, direkt nach der Planfeststellung die Umgehungsstraße zu bauen. Jetzt stehen Themen wie: Anschluss an die B31 neu, Taktung des Bahnverkehrs und die Anbindung der Teilorte und des Hinterlandes an.

Ein Thema mit besonderer Priorität ist die digitale Versorgung unserer Wirtschaft. Hier muss schnellstens dafür gesorgt werden, dass nicht ein einziger „Weißer Fleck“ uns bei der Kommunikation im nationalen und internationalen Datenverkehr behindert.

Digitalisierung und Innovation

Wir gehen davon aus, dass sich unsere Wirtschaftsunternehmen auf die sich ändernden Rahmenbedingungen der Energieversorgung/Antriebssysteme im KFZ-Bau einstellen. Innovationen sind aber im Dienstleistungsbereich gefragt, und hier muss jede Fördermöglichkeit gesucht und genutzt werden.

Eben schon angesprochen: „Weiße Flecken“ darf sich keine Gemeinde, die über die Stadtgrenzen hinaus tätig sein will, erlauben. Und Markdorf hat ja einiges Gewerbe, das sogar im internationalen Markt tätig ist.

In diesem Bereich liegen auch Möglichkeiten der Neuansiedlung von weiteren Wirtschaftsunternehmen, die so gut wie keine zusätzlichen, nicht mehr vorhandenen Flächen benötigen, Stichwort „Home Office“.